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Urs im Wald

Auf Sand gebaut

Wenn Jesus laut Matthäusevangelium davon abrät, ein Haus auf Sand zu bauen, so finden hingegen Wikipediaautoren, dass laut DIN 1054 Sand ein guter Baugrund sei.

Unterschiedliche Ansichten werden auch auf meiner Baustelle geäussert, wenn jeder, der bei mir vorbeischaut, seinen Senf dazugibt.

Ich halte es mit Jesus. Und wenn ich mehrere Wochen meiner immer begrenzteren verbleibenden Lebensspanne dazu einsetze, mühsam allen Sand aus dem Untergrund des zweiten Hauses zu buddeln, dann begreifen nicht alle, worum es geht.

Es kommt halt darauf an, denn Sand ist nicht gleich Sand und erst recht nicht in unterschiedlichen Situationen.

Es hat einige Erfahrungen gebraucht, bis ich begriffen habe, wie sich die Beschaffenheit des alten Untergrundes hier in meinem zweiten Haus auswirkt. Der Boden des Hauses war im Wohnbereich mit dicken Sandsteinplatten belegt. Man war versucht, dieses rustikale Element zu erhalten und in den neuen Plan zu integrieren. Die grob bearbeiteten Oberflächen waren mir aber für die Pflege zu unpraktisch und es war rasch klar, dass ich einen neuen Bodenbelag einbringen werde. Da ich an dieser Stelle aber auch mein Brennholz spaltete, ist mir aufgefallen, dass diese schweren, dicken Bodenplatten unter den Erschütterungen der Axtschläge sich bewegten und sich millimeterweise in den Untergrund verschoben.

Als ich letztes Jahr die Platten für den Bau des Vorplatz des ersten Hauses entfernt habe, war der Plan, den Untergrund zu belassen und ihn einfach mit einer Schicht Beton zu überdecken. Um Raum für eine Bodenisolation zu schaffen, habe ich etwa 15 Zentimeter Belag abgetragen. Je mehr ich mich mit diesem Bodengrund abmühte, umso klarer wurde mir dessen Struktur.

Man könnte meinen, es wäre ein Gemisch aus Bruchsteinen, mit Sand umfüllt. Aber dem ist nicht so. Man erkennt noch heute, dass die Steine der alten Trennmauer zwischen Wohnhaus und Stall vor allem bodennah nur mit Lehm verklebt wurden. Und so wurde auch der ganze Untergrund über dem Kellergewölbe aufgefüllt. Mit Bauschutt und lehmiger Erde vermischt.

An bodenfeuchten Stellen liegen diese Steine noch kompakt verbunden. Im trockenen Inneren des Gebäudes hat sich im Verlauf der Zeit dieses Gemisch aber anders entwickelt. Der Lehm ist vollständig ausgetrocknet und da er mit den vielen Bruchsteinen vermischt keine kompakte Einheit bildete, hat sich die Beschaffenheit der Masse fatal verändert. Der Lehm ist zu Staub zerfallen. Es hat sicher auch einen Anteil sandige Bestandteile drin, aber dieses feine Gemisch ist zu einer fliessenden Masse geworden, die die Bruchsteine beweglich macht.

Das ist auch der Unterschied des Wüstensandes aus Jesu Zeiten zum DIN-1054-Sand des Wickispezialisten. Dessen Sand wird heute aus Steinmaterial gebrochen und somit scharfkantig, ganz im Gegensatz zum durch die Windverfrachtung rund geschliffenen Wüstensand. Darauf lässt sich schlecht bauen. Unter Belastung beginnt er zu verschwimmen.

Somit bin ich mir jetzt auch sicher, dass die mühselige Beschäftigung mit etwa 10 Kubikmeter Schutt gut investierte Arbeit ist. Die Steine werden mit magerem Beton vermischt wieder zwischen Aussenwand und Gewölbe deponiert und bilden so eine fixe Unterlage für den weiteren Bodenaufbau. Der ausgesiebte Staub wird im Garten wieder zu lehmiger Erde.

Es verbleibt mir nun nur noch, die verschiedenen Kommentare der Besucher zu verdauen.

Geht doch

Zwei Nachtschichten eingelegt — und schon ist der Holzunterstand fertig. Das heisst, benützbar. Es fehlen mir noch etwa 10 Holzziegel und die Abschlusskante. Vielleicht braucht es noch einen Spritzschutz, um die untersten Schichten der Holzbeige bei Regen trocken zu halten. Aber nach der Weihnachtspause geht es mit Holzaufsägen weiter. Der Winter kann kommen.

Auch diesem muss ich noch Beine machen

Immer wenn ich morgens aus dem Fenster schaue, sehe ich die Fortschritte, die der Dachdecker macht. Vor dem Wintereinbruch sollte der Unterstand fürs Brennholz fertig werden. Aber es geht einfach zu langsam vorwärts. Man kann ihn natürlich für sein fortgeschrittenes Alter entschuldigen. Er sollte als Dachdecker eigentliche schon 15 Jahre in Rente sein. Und dass er zum ersten Mal ein Dach mit Holzschindeln belegt, bringt ihn auch nicht schneller ans Ziel. Aber trotzdem: ich muss mit ihm mal ein ernstes Wörtchen reden. Nur zweifle ich, dass das viel nützen wird. Er ähnelt mir in seiner Arbeitsauffassung einfach zu stark. Morgen sei auch noch ein Tag, meint er. Und überhaupt sei es die Hauptsache, es mache Spass. So geht das nicht.

Lange ersehnt

Wieder einmal klemmt es mit der Zuverlässigkeit der Handwerker. Sowohl der Maurer, wie auch der Elektriker machen trotz wiederholten Bitten keine Aufwartung bei mir. Ich habe letzte Woche auch den plombier, nach von ihm dreimal verschobenen Terminen, schon aufgegeben und mich innerlich vorbereitet, einen neuen zu suchen. Wie aus dem Nichts ist dann trotzdem eine Dreierequippe auf der Baustelle erschienen, hat sich angeschaut, was ansteht und versprochen, am folgenden Tag wieder zu erscheinen. Und tatsächlich: nach einem Tag intensiver Arbeit hat mein zweites Haus eine fertig installiere Kanalisation inklusive Wasseranschluss für Atelier, Küche, Bad, Waschküche und zwei Toiletten. Eine saubere Arbeit von einer zuvorkommenden freundlichen Mannschaft gemacht. So sollte es doch immer sein. Gestern habe ich dem Elektriker ein E-Mail geschickt und ihm bis Ende Woche ein Ultimatum gestellt.

Für einmal pünktlich fertig

Rechtzeitig mit den ersten Frostnächten ist der Sitzplatz mit der 20-stufigen Treppe fertig geworden. Letzte Woche hat das noch ganz anders ausgesehen. Aber irgendwie werden mir diese Steine vertraut. Die hier verwendeten Kalkplatten bildeten den Bodenbelag der Küche des zweiten Hauses und auch für das Fundament verwende ich das Material, das vor Ort herumliegt. Wie das Ganze mit frischem Beton zusammengeklebt sich nun über die Jahre verhält, wird sich zeigen. Seit ich hier bastle, sage ich immer, dass ich mindestens für die nächsten dreissig Jahren davon profitieren möchte…

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