Bäume sterben, der Wald lebt
Ein Passant in etwa meinem Alter, mit dem ich kürzlich ins Gespräch gekommen bin, hat auf meinen Hinweis, wie schön sich doch der Wald hier auch nach dem trockenen Sommer präsentiere, bemerkt, dass er das aus seiner Kindheit ganz anders in Erinnerung habe. Die Waldweide und die Übernutzung durch Köhlerei und Holzschlag hätten einen kümmerlichen Restwald zurückgelassen. Seitdem diese Nutzungen in den letzten Jahrzehnten zurück gegangen sind, hat sich der Wald offensichtlich stark entwickelt.
Beim Holzen ist mir dieser Vorgang an einer Partie mit am Boden liegenden Birken aufgefallen.
Als Pionierbaumart müssen sie sich auf den offenen Stellen des nicht mehr genutzten Waldes breit gemacht haben. Dann wurden sie immer mehr von den Eichen und Eschen dominiert und sterben nun ab. Wie sorgfältig hingeworfen erzählen sie noch von einer vergangenen Epoche und zeigen, dass Bäume zwar sterben, aber der Wald weiter lebt.
Wenn Forstleute in der Nordwestschweiz bejammern, dass jeder sechste Baum dem trockenen Sommer dieses Jahres zum Opfer gefallen sei, dann haben sie sicher nicht falsch gezählt, aber vergessen, dass das dem Wald eine ganz neue Perspektive eröffnet. Vielleicht entwickelt sich der Wald nicht in ihrem Sinne und der Forstplan muss stark überarbeitet werden. Aber so präsentieren sich halt die Kräfteverhältnisse und zeigen, wer sich wem anzupassen hat.
Der sich allmählich auslichtende Wald wird sich vielleicht dem des übernutzten Waldes des 17./18. Jahrhundert annähern, der dann aber seinerseits die Grundlage für die grösste Biodiversität in der Natur bereit stellte. Auch nicht schlecht, oder? Und das alles ohne unser Zutun… Hm, nicht ganz, natürlich.
Der Kompost hat endlich einen anständigen Platz an der äussersten Ecke meines Gartens gefunden.
Das sonnige Wetter hatte aber auch den Vorteil, rund ums Haus einen weiteren Vorplatz zu organisieren. Wo vor längerer Zeit ein Misthaufen gestanden haben muss, dann aber für längere Zeit als Deponie von allerhand Materialien gedient hat, habe ich das ganze Terrain umgegraben und dabei konsequent alles getrennt. Die Steine nach ihrer Grösse aussortiert und gleich vor Ort wieder verwendet. Die Erde im Garten deponiert. Und Abfall dorthin verfrachtet, wo er hingehört.
Dabei kommen aber auch interessantere Objekte zum Vorschein, die etwas über den Alltag vergangener Zeiten erzählen.
Der heisse und vor allem trockene Sommer hat aber auch seinen Nachteil. Die préfecture hat für lange Zeit einen Erlass veröffentlicht, der jede Arbeit mit mechanischen Instrumenten im Wald verboten hat, um die Gefahr von Bränden zu reduzieren. Jetzt aber mit den kühleren Tagen und ein wenig Regen getraue ich mich wieder mit der Motorsäge nach draussen. Dort liegen noch einige Ster Holz am Boden. Trotz Klimaerwärmung muss ich doch noch mit einigen Heiztagen rechnen. Ich freue mich darauf, wieder an der cuisinière zu stehen und mit einheimischer und CO2-freier Energie zu kochen. Vielleicht hilft es, damit der nächste Sommer nicht noch schöner wird.
Der Blick ins Tal, wenn die Wälder bei Bordeaux nicht brennen.
Jetzt mit Dunst oder Rauch. Oder mit beidem. Falls es nicht Einbildung ist, so kann man im Tal unten einen Rauchgeruch wahrnehmen. Keine Einbildung ist die grosse Trockenheit aber auch hier. Dank kurzen Gewittern ist mein Regenwasserreservoir bis oben voll. Was mich betrifft, darf der Sommer gerne noch ein bisschen bleiben.
Quercus ibex, Steineiche
Castanea sativa, Edelkastanie