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Urs im Wald

Kein Witz

Wer schon mal bei mir war weiss, worum es hier geht.

Seit der Elektriker, nachdem er die ersten Installationen begonnen hat, während der Pandemie sich vom Acker gemacht hat, ist er zwar schon mal wieder auf der Baustelle erschienen. Und jedesmal hat er mir versprochen, für den weiteren Ausbau eine Offerte zu machen. Ich kann nur spekulieren, weshalb das immer leere Versprechen geblieben sind. Seit ein paar Monaten habe ich deshalb mehrere Unternehmen für eine Wiederaufnahme der Arbeiten angefragt. Mit viel Verständnis von meiner Seite, dass man halt sehr beschäftigt sei, der zuständige Mitarbeiter gerade in den Ferien weile oder man in einer Woche für eine Offerte vorbei komme: Ohne jeden Erfolg.

Ein Nachbar hat mir einen Elektriker empfohlen, der auch bei ihm zu Hause schon Arbeiten erledigt hat. Nur, es handelt sich bei ihm um einen Allrounder. Über elektrische Installationen, Sanitärarbeiten und Plattenlegen bietet er auch an, den Rasen und die Hecke zu schneiden. Auf Google hat er eine einzige Empfehlung: À fuir absolument.

Also fand ich mich wieder auf Feld eins.

In depressiver Stimmung galt es also, eine tiefgreifende Analyse meiner Situation zu machen. Aus der daraus resultierenden Synthese ergab sich die Fragestellung, welches Unternehmen sich am ehesten für eine erfolgreiche Anfrage anbietet, denn ich hatte keine Lust, weitere Monate zu verbringen, um alle 30 Internettreffer in der Region abzuklappern.

Das Suchprofil: Lokal, spezialisiert auf Elektroinstallationen (viele Unternehmen bieten Elektro- und Sanitärinstallationen in der Kombination an, denn ich wollte meinen bestehenden Sanitärinstallateur, mit dem ich sehr zufrieden bin, nicht auswechseln) und als entscheidendes Kriterium, erst seit kurzem im Markt. Der könnte interessiert sein, trotz meinen diversen Handycaps auf meiner Baustelle zu erscheinen.

Das chambre de commerce et d’industrie wollte mir keine Auskünfte geben, aber die Dame hatte mir freundlicherweise einen Link verraten, mit dem ich auf eine Datenbank zugreifen konnte, die alle Unternehmen Frankreichs gelistet hat und sich mit einer Suchmaske nach allen erdenklichen Kriterien absuchen lässt.

Mit einer Gründungszeit ab 2024 spukte das System vier Unternehmen aus. Das am wenigsten weit entfernte telefonisch angefragt, nach einer Woche einen Termin bei mir ausgemacht, nach einer weiteren Woche den Kostenvoranschlag unterschrieben, sofort eine erste Anzahlung geleistet und schon steht ein äusserst freundlicher Jungunternehmer auf der Matte. Still verrichtet er eine saubere Arbeit.

Mein Häuschen bekommt den letzten Schliff in Sachen Elektroinstallationen. Jetzt muss auch niemand mehr bei mir bei Kerzenschein in den Spiegel schauen. Und das Atelier wird endlich definitiv verdrahtet und erhält eine perfekte Ausleuchtung.

Undenkbar und demotivierend wäre gewesen, meine weiteren Arbeiten unter dem Eindruck zu leisten, immer wieder nach einem Élec suchen zu müssen. Uff, mal wieder Glück gehabt.

Dunst oder Rauch?

Der Blick ins Tal, wenn die Wälder bei Bordeaux nicht brennen. Jetzt mit Dunst oder Rauch. Oder mit beidem. Falls es nicht Einbildung ist, so kann man im Tal unten einen Rauchgeruch wahrnehmen. Keine Einbildung ist die grosse Trockenheit aber auch hier. Dank kurzen Gewittern ist mein Regenwasserreservoir bis oben voll. Was mich betrifft, darf der Sommer gerne noch ein bisschen bleiben.

Psst!

… denn ich will keinen weiteren Ärger mit der Police de la nature et de l‘environnement, aber ich bin nicht ganz unschuldig am Erscheinen von zwei neuen Baumarten in meinem Wald. Quercus ibex, Steineiche Castanea sativa, Edelkastanie

Wahrscheinlich sind hier die Winter für beide zu kalt. Mal sehen.

So macht man es richtig

Die Scheisserchen, die ständig meine Baustelle verschmutzen, wissen, wie man‘s macht, um der Hitze zu entfliehen. Normalerweise hängen sie direkt unter dem Dach, aber jetzt versammeln sie sich in einer Nische im Mauerwerk, um noch von der ausgleichenden Speicherung der Nachtfrische zu profitieren. Ich mache es ihnen gleich und geniesse es, inmitten der 200 Tonnen Steine bei etwa 22 Grad den 36 Grad draussen ausweichen zu können: Architekur des 18. Jahrhundert mit Zukunft.

Hey!

Vor etwa acht Wochen habe ich per Post einen plant de vigne erhalten: Ein kleines Stück in Wachs gehüllte Rebe mit ein paar Würzelchen dran. Nach Anleitung habe ich das trockene Stück einen Tag lang in Wasser eingelegt und dann auf meiner Steinmauer eingepflanzt. Wochenlang habe ich dann mit kontinuierlich abnehmender Hoffnung auf Erfolg zugeschaut, wie sich nichts veränderte. Vor ein paar Tagen aber haben sich ein paar Knospen durch die Wachshülle gesprengt und nun zeigen sich wunderbare kleine Rebenblätter und anstelle der schwindenden Hoffnung ist die Zuversicht gewachsen, dass ich in ein paar Jahren blaue Weintrauben geniessen kann. Die etwa hundertjährige Chasselat-Rebe an der Hauswand soll von mir aus trotzdem noch lange weiter leben dürfen.

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