Mal zu wenig, mal zu viel
Nach mehreren Wochen Trockenheit waren die Wetterprognosen gestern eindeutig und auch die Versicherungsgesellschaft hatte den in der Region Versicherten mit einer Unwetterwarnung per E-Mail angeraten, die Fenster geschlossen zu halten, Autos möglichst in der Garage abzustellen oder mindestens nicht nahe bei Bäumen zu parkieren. Und tatsächlich sind heute Vormittag eine ganze Serie von Gewitterfronten eine nach der anderen rasch über die Gegend hinweg gezogen.
Das noch nicht in Dachrinnen gefasste Regenwasser des Daches hat eine Bruchsteinmauer unterspült. Nur um wenige Zentimeter haben die stürzenden Steine die Karosserie meines beim Haus abgestellten Autos verfehlt. Nochmals Glück gehabt. Und schon mache ich mir Gedanken, welche Mauern sonst noch von Einsturz gefährdet sind. Ich muss meine Projektliste also schon wieder anpassen und vielleicht doch noch den Dachdecker anrufen, damit die Wassermassen vom Dach künftig in das Reservoir abfliessen können und dann wäre es nicht nur mit zehn, sondern mit 13 Kubikmetern aufgefüllt worden. Genug, um wieder drei Monate ohne Regen auszukommen.
Bei dieser Aussentreppe, wahrscheinlich schon vor 250 Jahren aus grossen Steinquadern gesetzt, ist vor 70 Jahren schon jemand abgestürzt und dabei verstorben. Ich wollte mit einem Handlauf das Besteigen der Treppe sicherer machen und verhindern, dass noch jemand zu Schaden kommt.
Vor fünf Jahren gesetzt hat dieser Aprikosenbaum noch jeden Frühling nach einer reichen Blüte alle seine Früchte wieder verloren. Fröste, die in dieser Höhenlage noch sehr spät auftreten können, sind jeweils der wichtigste Grund dafür. Das war auch diesen Frühling so.
Aber seit Wochen beobachte ich ein einziges kleines Früchtchen, das an einem dürren Ästchen hängend bisher allen Widrigkeiten getrotzt hat und immer grösser geworden ist. Jetzt warte ich mit viel Geduld, bis die Aprikose die volle Reife erreicht hat. Viel Geduld brauche ich wahrscheinlich auch, bis die Klimaerwärmung mir mal ermöglicht, mehr als eine Aprikose zu ernten…
Dieser Durchgang zwischen der Stützmauer der Strasse und der Ostfront des Häuschens war zu Beginn durch eine Aufschüttung versperrt. Davon freigeschaufelt konnte die vorher immer wieder durchnässte Hausmauer austrocknen. Jetzt habe ich aus dem hier aussortieren Geröll, 500 Liter Sand, 100 Liter Zement und 100 Liter Wasser eine Mauer aufgebaut, die mir nun als Muster für die weiteren Umgebungsarbeiten dient. Mit einer Länge von 5 Meter und einem Volumen von 2 m3 hat sie mich vier Tage lang beschäftigt. Jetzt bleiben mir rund ums Haus nur noch ungefähr 15 m3 Mauerwerk übrig, um alles fertig zu stellen. Diese Zahlen sind wertvoll, um planen zu können — und den Mut nicht zu verlieren.
„Un rat!“ rief Jean, als ich ihm meine Jagdtrophäe zeigte. Tatsächlich hatte die Wühlmaus eine beträchtliche Körpergrösse, als sie sich bei meiner Wässerung der neusten Erdlöcher vor dem Ersaufen rettete und zuerst nur mit ihrem Kopf aus dem Erdloch lugte. Was mich überwinden liess, diesem netten Wesen mit den beiden Kulleraugen eins über den Schädel zu ziehen, weiss ich nicht. Es müssen Urinstinkte gewesen sein. Oder einfach der Ärger über die von ihr bisher gefressenen 200 Safranknollen, 20 Lauchsetzlingen und anderem untergrabenem Gemüse.