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Urs im Wald

Sommer halt

Wie in vielen Regionen Frankreichs ist gestern ein Hagelzug über die Landschaft gezogen und hat zum Teil grosse Schäden verursacht. Aber nur fünfzig Meter Distanz zwischen zwei Orten haben darüber entschieden, ob an einem Ort der Schaden total oder nur halb so schlimm ausgefallen ist, ob Hagelkörner oder nur Graupel gefallen sind. Es hat mich heute Wunder genommen, wie sich die Piste im Wald gehalten hat. Denn mit der Erfahrung des ersten Gewitters kurz nach Fertigstellung bin ich mit mulmigen Gefühl in Richtung Wald und auf der Strasse dorthin tatsächlich auf einem Laubteppich gefahren. Geschätzt einen Viertel des Laubes haben die Bäume verloren. Aber die Piste hat sich in beinahe tadellosem Zustand präsentiert. Ich werde nur an einigen wenigen Stellen die natürlichen Unregelmässigkeiten ausnutzen und so verändern, dass die Wasser- und Eisbäche nach kurzer Distanz wieder aus der Piste geführt werden. Die drei folgenden schönen Tage muss ich für diese Arbeiten ausnutzen, denn nachher sind schon wieder weitere Gewitter angesagt. Andere haben in dieser Zeit offensichtlich Schöneres im Sinn…

Der Tag wird kommen ...

Jeden Tag produziere ich mit meiner Methode etwa 15 Liter Ton für den Verputz. Eine schweinische Arbeit und immer wieder machen sich durch die repetitiven Bewegungsabläufe körperliche Beschwerden bemerkbar. Dann ist es Zeit, eine kleine Auszeit von der Lehmarbeit zu nehmen und eine der vielen anderen Arbeiten anzupacken. Zum Beispiel brauchte es eine Schmutzschleuse beim Eingang. Aber noch für eine ganze Weile werde ich den Schmutz in Form von kostbarem Lehmgemisch über den Teppich ins Haus tragen müssen. Aber ich weiss, es hat mal ein Ende.

Ein Providurium?

Es ist immer wieder eine Überlegung wert, ob im mühsamen und zeitraubenden Transformationsprozess eine schnelle provisorische oder eine langwierige dauerhafte Lösung die bessere Wahl ist. Hier für diese baie vitrée, die vom zweiten Haus mit dem Atelier auf den Balkongarten führt, habe ich mich für ein Provisorium entschieden. Es soll das einzige bleiben…

Warum einfach, wenn es auch mühsam geht

Heute habe ich mit dem letzten Eimer Lehm das Füllen der Wände beendet. Seit den ersten zaghaften Versuchen mit dem Material sind jetzt fünf Monate vergangen. Aber in den letzten vier Wochen habe ich mehr Lehmgemisch an die Wände gebracht als in den vorhergehenden vier Monaten. An den schon trockenen Stellen kann ich morgen mit dem Verputzen beginnen. Ich hoffe, dass mit der Routine auch damit eine Steigerung der Leistung einhergeht, denn ich schätze die noch zu bearbeitende Fläche auf 60m2. Bei einer Schichtdicke von ca. 5 mm braucht es dazu also 300 Liter Verputz. Dazu muss ich 200 Liter Sand auf eine Korngrösse von 1mm sieben. Und ungefähr 200 Liter Ton aus dem Lehm lösen. Zum Glück habe ich dazu schon genug Erfahrungen sammeln können.

Wie bestellt macht auch das Wetter mit. Kalte aber trockene Nächte und Sonne pur am Tag sind für die nächsten beiden Wochen in Aussicht gestellt. Und damit werden auch die letzten 50 Liter Wasser, die noch in den Wänden stecken, bald verschwunden sein. Hin und wieder denke ich an die Möglichkeit, dass man die Wände ja auch bloss mit Gipsplatten belegen könnte…

Weiter im Dreck

Langsam verschwinden die Holzstrukturen der Wände unter einer ersten Schicht Lehm. Aber es müssen noch weit mehr als hundert Eimer des Materials verarbeitet und appliziert werden — und zum Glück sieht mich niemand nach einem Tagwerk „Dreck“ mischen …

Als Abwechslung baue ich aber auch an anderen Ausbauschritten weiter. So bin ich ganz stolz auf die neue crédence über der cuisinière bestehend nur aus einer gewalzten Stahlplatte. 25 kg schwer, aber chic, finde ich.