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Urs im Wald

Anderthalb mal warm

Da habe ich mich schon wieder mal überschätzt: die beiden gefällten abgestorbenen Eichen waren zu viel für mein Tageswerk. Mit den letzten Sonnenstrahlen musste ich aufgeben und dem Prinzip untreu werden, die Piste freigeräumt zu hinterlassen. Und am nächsten Tag nahm auch das Spalten viel mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Aber immerhin musste ich nicht frieren. Es hat mir gehörig eingeheizt. Man sagt ja, die Buchen gäben zweimal warm: einmal beim Holzen und einmal im Ofen und das wird bei diesen Eichen nicht anders sein. Wobei dieses Totholz schon einige Zeichen aufweist, dass durch Zerfallsprozesse durch Pilze und Bakterien schon viel gespeicherte Energie verloren gegangen ist. Und dann haben ja auch noch die Maden ihren Anteil weggefressen. Es bleibt mir wohl nur noch die Hälfte der Energie für den Ofen…

Verflixte Ziele

Schon lange habe ich aufgegeben, mir fixe Tagesziele beim Bauen zu setzen. Zu oft habe ich dabei meine Fähigkeiten überschätzt. Wenn ich dann nach einigen Stunden Arbeit mit nachlassenden Kräften unbedingt noch das anvisierte Ziel erreichen wollte, ging das nicht nur auf Kosten der Sicherheit, sondern auch auf Kosten der Gesundheit. Und eigentlich sollte ich am darauffolgenden Tag wieder fit sein, um die Arbeit wieder normal weiterführen zu können. Also lasse ich jetzt die Arbeit auch mal Mitten im Nachmittag stehen — ohne schlechtes Gewissen.

Nach einer langen Phase mit schlechtem Wetter lockte mich diese Woche mal wieder die Holzerei. Wobei nicht nur der Sonnenschein mich nach draussen „gepullt“, sondern mindestens so sehr mich der rapide schwindende Holzvorrat „gepusht“ hat… Also nichts wie los. Der Stinker zog eine saubere Spur durch den Schnee und brachte mich über alle Steigungen hoch und wieder hinunter zum Arbeitsplatz. Absterbende Eichen, denen durch den Pistenbau das Wasser abgegraben wurde, mussten weg, da immer wieder fallende dürre Äste den Durchgang unsicher machten. Nachdem gut ein Dutzend Bäume auf der Piste lagen, kam mir in den Sinn, dass es vielleicht doch weise wäre, mir ein Ziel für den Tag zu setzen. Denn wenn noch Bäume in dem Moment liegen blieben, wenn ich schon im Rücken müde würde, dann müsste ich anderntags mangels Umkehrplätzen einen Kilometer weit im Rückwärtsgang zum Holzerplatz fahren. Keine guten Aussichten. Knapp geschafft. Der Rücken! Und morgen werde ich zwei Ster Holz holen können. Für eine warme Stube im nächsten Winter ist somit gesorgt. Wobei dieses Ziel noch lange nicht erreicht ist, aber ein Anfang immerhin gemacht. Die Meteo verspricht zwei weitere Wochen mit sonnigem Winterwetter.

Fertig lustig

Kurz vor meiner Abreise in die Schweiz hat sich eine Wühlmaus aus dem Gemüsegarten in Richtung des Spargelbeets vorgearbeitet und jetzt dem Safran genähert. Alarm! Alle Versuche, mit den herkömmlichen Schnappfallen dem Ungetüm in der lehmignassen Erde habhaft zu werden, haben versagt. Obwohl am Verlauf der Grabarbeiten zu beobachten ist, dass das in der Erde verlegte Gitter den Zugang zu den kostbaren Knollen erst mal abgewehrt hat, greife ich zum ultimativen Mittel: Gift. Bio macht kurz mal Pause. Ich hoffe somit nach meiner Rückkehr in drei Wochen noch ein paar Blättchen Safran anzutreffen.

Die nächsten sieben

Das erste von sieben Fenstern, die das Atelier gegen aussen abdichten, ist im Rohbau fertig. Es soll vor allem verhindern, dass Vögel und Fledermäuse sich nicht so leicht in den Räumlichkeiten einnisten können und alles verkoten — oder werde ich etwa zu anspruchsvoll?

Von der Planung, dem Erstellen der Detailzeichnungen am alten Mac bis zu den Stücklisten habe ich langsam Übung und von den Erfahrungen der letzten acht Fenster des ersten Hauses kann ich profitieren. Immerhin bin ich froh, dass auch im zweiten Winter noch alle Fenster gleich gut funktionieren. Und anschliessend an diese Serie bleiben ja nur noch etwa zwölf Aussenfenster übrig. Und zwei grosse baies vitrées. Für Arbeit in den nächsten Wintern ist also gesorgt.

Ein Tag im Winterwald

Auf diesen Tag musste ich lange warten. Nach vielen regnerischen Tagen endlich schönes Wetter: beste Bedingungen, um im Wald zu arbeiten. Wer kümmert sich da (ausser ein paar Südfranzosen mit Sommerpneus auf den Felgen) um das bisschen Schnee, der die Piste bedeckt. Mit den fetten Spezialpneus klettert mein Stinker über alle Steigungen und Hindernisse.

Es liegt noch eine Birke am Boden, die ich vor drei Jahren gefällt habe und die dann Monsieur le Président (zusammen mit der kaputten Achillessehne) mich gehindert hat, zu holen. Sie liegt auf einer Parzelle, die offensichtlich vor einigen Jahrzehnten genutzt wurde und auf der sich nun ein dichter Jungwuchs entwickelt. Eschen, Eichen, Kirschbäume und Birken machen sich breit. Aber auffällig ist, dass sich auch noch etwa zwanzig junge Buchen mit ihrem Herbstlaub zeigen, obwohl im Umkreis von mehr als hundert Metern kein einziger Fruchtbaum anzutreffen ist. Nur zwei grössere Buchen stehen weit entfernt auf meinen Parzellen. Noch vor sechzig Jahren steuerte der Brennholzverkauf in die Stadt wesentlich zum Einkommen der Einheimischen bei. Mein 90-jähriger Nachbar Jean weiss auch noch, dass auf einigen Parzellen, auf denen nun Eichen als Stockwuchs stehen, Köhler am Werk waren. Energie kam dannzumal halt noch aus dem Wald. Heute aus Katar.

Ich werde den jungen Buchen möglichst viel Raum zur Entwicklung geben, um wieder einen standortgerechten Bestand zu erreichen. Das zwingt mich nun, mehr Föhren zu verheizen, die übermässig gepflanzt als schnellwüchsige Baumart bevorzugt wurden. Es stehen ein paar davon dürr am Pistenrand und drohen, umzustürzen. Leider ist die Wettervorhersage aber wieder schlecht.

Auf der Heimkehr bei Sonnenuntergang begrüsst mich der Vollmond am Horizont.