Fertig! Das heisst fast …
Das ist sie nun: die Stützmauer, die den Hang des Sitzplatzes gegenüber der Strasse sichert. Auf drei Etagen jeweils 10, 8 und 6 Meter lang, gesamt 3 Meter hoch und mit einem Gesamtvolumen von 17 m3 hat sie mir einiges an Schweiss gekostet. Dass ich für diesen Bau einige Kubikmeter Sand und etwa 25 Säcke Zement verbraucht habe, hat mir hier von Trockenmauerfans zwar auch Kritik eingebracht. Aber die 15 Kubikmeter Steine habe ich alle aus der Schutthalde vor Ort ausgebuddelt und unverarbeitet mit dem Beton „zusammengeklebt“. Für einen Bau ohne Zement hätte ich ein Vielfaches an Rohmaterial gebraucht und dann nur mit gigantischem Aufwand für die Bearbeitung der Steine bezahlt.
Vielleicht etwa ein Drittel der vorgefundenen Steine sind mal bearbeitet worden — wahrscheinlich noch zu einer Zeit, als das Steinmetzen unter einer Art von Sklavenarbeit verrichtet wurde. Mit der französischen Revolution sind nicht nur die Adligen einen Kopf kürzer geworden, sondern auch deren Schlösser und Burgen geschleift worden. Mit behauenen Steinen dieser Bauten sind dann die alten Mauern der Häuser zusammen mit naturbelassen Steinen mit einem Mörtel auf Kalkbasis aufgebaut worden. Das macht sie für Witterungseinflüsse empfindlich, vor allem wenn die Dächer nicht absolut dicht sind. Somit wird meine Zementmauer, den Witterungseinflüssen ausgesetzt, mit den Mauern der Häuser ums weitere Überleben wetteifern. So ein paar hundert Jahre könnte das schon dauern…
Die Vollendung der Mauer habe ich mit einer Flasche Rosé mit meinem Nachbarn gefeiert. Aber fertig ist ja noch nichts: jetzt beginnt die Plackerei mit der Planierung des Sitzplatzes. Etwa 5 Kubikmeter Material am Boden müssen in die Bestandteile Erde, Kies und Bruchsteine umgewandelt werden. Erst dann kann ich mich auf einem neuen Sitzplatz in den Liegestuhl legen..
Wie immer setze ich mir dafür keinen Termin. So vermeide ich, enttäuscht zu werden
Bei bisher jedem Projekt stellt sich bei mir jeweils die Frage, wie lange es noch dauert, bis ich endlich damit fertig bin. Wenn ich mir die verschiedenen Steinhaufen bei dieser Baustelle für eine Aussenterrasse ansehe, dann schwant mir schon, dass ich meine gesetzte Zeitlimite nicht erreiche. Aber immerhin weiss ich nun genau, wohin jeder Stein definitiv zu liegen kommt, nachdem ich ihn schon zweimal hin und her bewegt habe. Und deshalb steigt bei mir die Hoffnung, dass es diesmal reicht: bald fertig! Wobei: was heisst schon bald?
Die durch die frühe Wärme provozierten frischen Austriebe sind glatt erfroren. Für lange Zeit hatte ich den Eindruck, der Baum sei abgestorben. Aber mit einigen warmen Tagen haben sich nun doch noch neue Blätter gezeigt. Und seither scheint sich der Baum langsam zu erholen.
Dabei feixte er ausgiebig über seine Nähkünste, die er bei meinem Vorgänger, gleich neben mir liegend, schon anwenden konnte. Ich brauchte im Gegensatz zu diesem keinen Sauerstoff, um den Anblick der Wunde zu ertragen. Aber auch ich habe gestaunt, wie viel Fettgewebe neben venösem Blut aus meiner Schnittwunde quoll. Gleichzeitig zur konzentriert ausgeführten Arbeit konnte er mit seiner Erfahrung meine These bestätigen, dass bei manuellen Arbeiten weniger Unfälle passieren, wenn sie allein, und nicht im Team ausgeführt werden. Gleich kürzlich hätte ein Handwerker einen heftigen Schlag auf seinen Kopf erlitten. Nicht absichtlich von einem Kollegen mit einem Hammer ausgeführt.
Aus den Resten des ersten Zuschnittes, den es für die Galerie brauchte, konnte ich noch zwei kleine Gestelle zimmern. Der ganze Rest ist Abfall.
Über das Gewicht umgerechnet entspricht das etwa 150 Liter Feststoff. Das entspricht einer Ausbeute von 92%, oder 8% Abfall. Ein Traumwert.